Polnisches Kino in Jena im Wintersemester 2019/2020

Auch in diesem Jahr zeigt das Aleksander-Brückner-Zentrum wieder vier Produktionen, die sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema des historischen Umbruchs beschäftigen.

Vom Solidarność-Drama bis zum Meerjungfrauenhorrormusical wird der polnische Gegenwartsfilm dabei in seiner ganzen stilistischen Pluralität gezeigt. 

13.11.2019: STRAJK - DIE HELDIN VON DANZIG

DE/PL 2006, R: Volker Schlöndorff, 104 Min., mdU

Polen, 1980: Agnieszka arbeitet als einziger weiblicher Kranführer auf der Lenin-Werft. Die Trägerin des Titels „Heldin der Arbeit“ lebt mit ihrem Sohn Krystian in einem Arbeiterwohnheim. Als sich auf der Werft ein Unfall mit tödlichen Folgen ereignet, lehnt sich die beliebte Agnieszka gegen die Verhältnisse auf und fordert bessere Bedingungen. Die Werksleitung wirft sie raus, doch die Kollegen solidarisieren sich mit ihr. Ein Streik beginnt, der bald das ganze Land erfasst.

Volker Schlöndorffs Film erzählt die Geschichte einer einfachen Frau, die maßgeblich die Solidarność-Bewegung mit anschiebt. Dabei werden sowohl die großen politischen Fragen als auch die persönlichen Probleme einer alleinerziehenden Mutter im Polen der 80er gezeigt. Die deutsch-polnische Ko-Produktion orientiert sich an der Lebensgeschichte der Solidarność-Mitbegründerin, Anna Walentynowicz und wurde an Originalschauplätzen gedreht.

Einführung: Johann Wiede (Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien Jena)

10.12.2019: SIŁACZKI/ FRAUEN DER ERSTEN STUNDE

R: Marta Dzido & Piotr Śliwowski, PL 2018, 70 min, OmdU

SIŁACZKI ist der erste polnische Film über Suffragetten. Diese „starken Frauen“ kämpften für ihre Sache in einem Land, das zu dieser Zeit auf den Landkarten Europas gar nicht zu finden war. Immer wieder mussten sie sich sagen lassen, es sei nicht die richtige Zeit, für gleiche Rechte zu kämpfen. Aber sie wollten kein freies, unabhängiges Polen ohne freie, unabhängige polnische Frauen. In diesem Film kommen Kämpferinnen, Patriotinnen, Aktivistinnen, Soldatinnen und Suffragetten zu Wort und sprechen über ihren langjährigen Kampf für die Angelegenheiten ihrer Geschlechtsgenossinnen.

Zu Gast: Marta Dzido und Piotr Śliwowski (Regie/Buch/Schnitt/Produktion) Moderation: Rainer Mende (Polnisches Institut Berlin – Filiale Leipzig)

9.1.2020: ZJEDNOCZONE STANY MIŁOŚCI / UNITED STATES OF LOVE

PL/SWE 2016 R: Tomasz Wasilewski, 104 Min, OmdU

Vier Frauen in der polnischen Provinz, irgendwann nach dem politischen Umbruch. So rasant sich das Land verändert, so wenig das Private. Die Sehnsüchte sind immer noch beengt und ihre Erfüllung wird unterdrückt. In diesem Klima begleitet der Film Agata, die beginnt, den Priester zu stalken, Iza, eine Schuldirektorin, die seit Jahren eine Affäre mit einem verheirateten Mann hat, sowie die Russischlehrerin Renata, die die junge Marzena begehrt.

Tomasz Wasilewskis Film erzählt Geschichten über das Begehren in einer lustfeindlichen Gesellschaft.

Einführung: Thomas Schmidt (Institut für Slawistik, Universität Jena)

30.1.2020: CÓRKI DANCINGU/ SIRENENGESANG

PL 2015, R: Agnieszka Smoczyńska, 92 Min., OmdU

Warschau in den 1980er Jahren. Die Schwestern Srebna und Złota, zwei Meerjungfrauen, landen mitten im pulsierenden Nachtleben der polnischen Hauptstadt. Zusammen der Band Figi i Daktyle treten sie in einem Club auf und werden schnell die Sensation der Stadt. Dadurch kommt einiges durcheinander: Während die eine Schwester sich verliebt, entdeckt die andere ihren Heißhunger auf Blut.

SIRENENGESANG, das Spielfilmdebüt der Regisseurin Agnieszka Smoczyńska, ist ein außergewöhnlicher Stilmix zwischen Meerjungfrauenhorror, Märchen und Musical. Vielfach prämiert, u.a. mit dem Spezialpreis der Jury für einzigartige Vision und Design auf dem Sundance Festival 2016.

Einführung: N.N.

Die Filmreihe wird unterstützt vom Kino am Markt, dem Polnisches Institut Berlin, Filiale Leipzig, dem Imre Kertész Kolleg Jena, von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Thüringen.