Promotionen

Identitätskonstruktion politischer Parteien in Polen am Beispiel der Demokratischen Linksallianz (SLD) und der Bauernpartei (PSL)
Promotionsprojekt, FSU Jena
Andrea Priebe

Im Kontext der Party Change-Forschung folgt das Dissertationsvorhaben einer These Elmar Wiesendahls, nach der Parteien aufgrund innerer Widersprüche, Zielunklarheiten sowie fehlender Motivations- bzw. Sanktionsmöglichkeiten rasch an ihre Organisierbarkeitsgrenzen stoßen und vor allem durch symbolische Vereinnahmungs- und Zuordnungsprozesse eine gemeinschaftliche Sinnstiftung betreiben (müssen), auf der die Bereitschaft ihrer Mitglieder zu Engagement basiert. Am Beispiel der (genealogisch) post-kommunistischen Formationen Sojusz Lewicy Demokratycznej (SLD) und Polskie Stronnictwo Ludowe (PSL) wird der Gestaltungsprozess organisationaler Identität in beiden Parteien seit 1989/1990 sowie ihre tatsächliche Bedeutung für die Identifikation der Mitglieder mit der jeweiligen Organisation untersucht. Neben der Auswertung parteieigener Deutungsangebote stützt sich die Arbeit dabei empirisch vor allem auf die qualitative Analyse von Interviews, die während einer mehrmonatigen Feldstudie an der Mitgliederbasis beider Gruppierungen durchgeführt wurden.


Die ersten jüdischen Museen Ostmitteleuropa zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Promotionsprojekt, MLU Halle
Dorothea Warneck

Jüdische Museen und Ausstellungen sind nicht erst ein Phänomen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Europa erste Judaica-Ausstellungen und seit Mitte der 1890er Jahre erste Museumsgründungen (das weltweit erste jüdische Museum wurde 1895 in Wien eröffnet). Etwa zehn jüdische Museen wurden zwischen 1906 und 1938 in Ostmitteleuropa von jüdischen Privatpersonen, Gemeinden und Vereinen aus den unterschiedlichsten religiösen, politischen und sozialen Milieus heraus gegründet. Diese Disparität der Entstehungszusammenhänge und die Heterogenität der an den Projekten beteiligten Personen, lassen sich auch an der Programmatik der verschiedenen Museen und ihren jeweiligen Orientierungen an musealen Vorbildern und Konzepten ablesen.
Das Dissertationsprojekt will die Genese dieser ersten jüdischen Museen in Ostmitteleuropa, die Anfänge der Musealisierung des bisher ausschließlich sakral bedeutsamen, nun auch mit kultur- und kunstgeschichtlicher Bedeutung aufgeladenen jüdischen materiellen Erbes, als Phänomen der Moderne in ihren vielschichtigen inner-jüdischen, nationalen, transnationalen, wissenschaftsdisziplinären, museologischen, politischen wie sozialen Bezügen unter Berücksichtigung der jeweiligen Spezifika der einzelnen Museen untersuchen. Dabei soll zum einen der Frage nachgegangen werden, wie Vorstellungen jüdischer, polnisch-jüdischer, tschechisch-jüdischer oder imperial geprägter Identität(en) über welche Geschichtsnarrative und mit welchen Sammlungs- und Ausstellungskonzepte über das Medium Museum verhandelt, konstruiert und vermittelt werden sollten. Welche Funktion und Bedeutung kam diesen Museen im Zusammenhang mit neu zu verhandelnden Identitätskonzepten und Nationalgeschichten im Kontext tiefgreifender Brüche und Zäsuren zu Beginn des Jahrhunderts zu?
Zum anderen sollen mit dieser Arbeit Antworten auf die wissenschaftlichen Entstehungszusammenhänge dieser Museumsprojekte, ihre disziplinären Orientierungen und museologischen Spezifika gefunden werden und danach gefragt werden, welche Formen des Wissenstransfers und welche (inoffiziellen), (trans-)nationalen Netzwerke und Verbindungen es zwischen den einzelnen jüdischen Museen und ihren Akteuren gab, sowie zu anderen, nichtjüdischen Museen, etwa Nationalmuseen, Volkskundemuseen oder Kunsthistorischen Museen gab. Somit ließen sich diese frühen ostmitteleuropäischen jüdischen Museen einerseits in den gesamteuropäischen Kontext des Phänomens der Entstehung jüdischer Museen um die Jahrhundertwende einordnen und andererseits innerhalb allgemeiner nationaler wie europäischer museologischer Entwicklungen und Debatten dieser Zeit verorten. Im Rahmen der Arbeit sollen sechs Museumsprojekte exemplarisch analysiert werden, die zwischen 1906 und 1934 in den territorialen Grenzen der Zweiten Polnischen Republik sowie der Tschechoslowakei, im städtischen wie ländlichen Raum entstanden.


Kultur erfassen – Kultur übersetzen. Der Roman Wojna polsko-ruska pod flagą biało-czerwoną von D. Masłowska im deutschen und englischen Übersetzungsvergleich.
Promotionsprojekt, gefördert durch die Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit
Joanna Sulikowska-Fajfer

Das Promotionsprojekt untersucht das Phänomen Kulturtransfer bei der Übersetzung literarischer Texte am Beispiel eines Romans von Dorota Masłowska, einer polnischen Schriftstellerin der jungen Generation. Die Kernfrage ist dabei: Wie wird ein polnischsprachiger literarischer Entwurf von Kultur in die Sprache der USA, Großbritanniens und der deutschsprachigen Länder übertragen?
Um diese Problematik zu erschließen, verfolgt das Projekt drei Hauptfragen: Erstens wird untersucht, wie sich Kultur im Ausgangstext manifestiert. Zweitens wird die Frage nach der Klassifizierung der dem Übersetzer zur Verfügung stehenden translatorischen Strategien gestellt. Drittens wird der Versuch unternommen, die translatorischen Entscheidungen des bzw. der jeweiligen ÜbersetzerIn festzuhalten und zu beschreiben.
Der Roman Wojna polsko-ruska pod flagą biało-czerwoną wurde für die Untersuchung des literarischen Kulturtransfers ausgewählt, da er zahlreiche Textstellen enthält, die explizit und implizit spezifisch polnische Kulturphänomene thematisieren. Der spezifische Erzählstil der Schriftstellerin, der sich in einer Mischung aus Umgangssprache, Vulgarismen, gezielten sprachlichen Fehlern und hochsprachlichen Ausdrücken manifestiert, stellt für die Übersetzung der kulturell bedingten Aspekte eine besondere Herausforderung dar.


Sprachpurismus in der Slawia unter besonderer Berücksichtigung des Polnischen
Promotionsprojekt, gefördert durch die Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit
Kai Witzlack-Makarevich

Sprachpurismus als Bestandteil der äußeren Sprachgeschichte war auch für die Entwicklung und Herausbildung der slawischen Standardsprachen von zentraler Bedeutung. Selbst wenn sich die einzelnen Slawinen hinsichtlich des Purismus in Art und Ausmaß teilweise beträchtlich voneinander unterscheiden, konnte sich keine von ihnen seinem Einfluss vollständig entziehen. Innerhalb des Promotionsvorhabens sollen ausgehend von einer umfassenden theoretischen Auseinandersetzung mit dem Forschungsgegenstand und vor dem Hintergrund des spezifischen soziolinguistischen Kontextes die verschiedenen Ausprägungen des Purismus in den slawischen Sprachen untersucht und in einen typologischen Rahmen eingeordnet werden (Objekt/Verlauf/Motive/Ausrichtung/Intensität/Akteure). Anhand dieser kontrastiven Übersicht wird deutlich, inwiefern der Purismus im Polnischen, der den Schwerpunkt der Untersuchung bildet, allgemeinen Mustern in der (West-)Slawia folgt oder nicht bzw. welche besonderen Entwicklungen festzustellen sind und warum es zu diesen kam. Anhand der Forschungsergebnisse soll das Polnische innerhalb der Slawia in sprachpuristischer Hinsicht positioniert werden.