Menschenbilder in der Literatur und Publizistik der polnischen Moderne um 1900

Blockseminar mit Stefan Schmidt, April-Mai 2018, Halle

Mit dem Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts erlebt Europa eine Phase intensiver Selbstreflexion. Rasanter technologischer Fortschritt, Kulturpessimismus und soziale Veränderungen im Zuge der Arbeiter- und Frauenemanzipation werfen Fragen über den künftigen Weg des Kontinents auf. Diese Fragen haben für eine Gesellschaft ohne Staat, wie Polen, eine ganz eigene Relevanz. Ein wichtiger Knotenpunkt, in dem die verschiedenen Diskussionsstränge zur Selbstvergewisserung und künftigen Richtung des geteilten Landes zusammenlaufen, bildet die Frage nach dem Menschen, die die soziologische und politische Publizistik ebenso betrifft, wie die Ethnographie und die Literatur.

Das Seminar verfolgt das Ziel, einzelne Positionen innerhalb dieser Debatte aus Literatur, Publizistik und Ethnographie schlaglichtartig zu beleuchten. Dafür möchte es Texte erschließen, die im genannten Zusammenhang wichtige Beiträge zur Menschenbilddiskussion ihrer Zeit lieferten, darunter Wacław Nałkowskis Forpoczty ewolucji psychicznej, Stanisław Przybyszewskis Homo Sapiens (Auszüge), Ludwik Krzywickis Ludy (Auszüge) und Zofia Nałkowskas Kobiety.

Die Vielfalt dieser verschiedenen textuellen Zugänge öffnet das Thema gleichermaßen für historische wie literaturwissenschaftliche Fragestellungen. Die Studenten sollen auf diesem Wege einen tieferen Einblick in die Diskussionsgegenstände und -zusammenhänge der polnischen Moderne gewinnen und vor diesem Hintergrund ein weitergehendes Verständnis für diese nicht nur in Polen entscheidende Umbruchphase europäischer Kulturgeschichte entwickeln.

Die Veranstaltung wird als Blockseminar an Einzelterminen zwischen Ende April und Anfang Juni durchgeführt. Weitere Informationen finden Sie hier.