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Offene Online-Kurse für den gesamten deutschsprachigen Raum

Krise als Chance: Das Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien Jena/Halle öffnet im Sommersemester 2020 einen Teil seiner Veranstaltungen für Studierende aus dem ganzen deutschsprachigen Raum

Zwischen den Welten und interdisziplinär: Szczepan Twardochs Roman "Drach" und das Schlesische aus sprach- und literaturwissenschaftlicher Sicht (Seminar, 5 ECTS)

Prof. Andrea Meyer-Fraatz (Literaturwissenschaft, ABZ Jena), Prof. Ruprecht von Waldenfels (Sprachwissenschaft, ABZ Jena)

Im Seminar nehmen wir Schlesien und das Schlesische anhand des furiosen Romans “Drach” von Szczepan Twardoch aus gleichermaßen sprach- wie literaturwissenschaftlicher Perspektive in den Fokus. 

Dazu möchten wir Gäste zum Gespräch in das Seminar holen: zunächst Szczepan Twardoch selbst sowie Grzegorz Kulik, der den Roman in das Schlesische übersetzt hat. Daneben begrüßen wir die KollegInnen Yvonne Drosihn (Literaturwissenschaft, Halle), Anna Artwińska (Leipzig), Jan Patrick Zeller (Sprachwissenschaft, Hamburg) sowie Joachim von Puttkamer (Geschichte, Jena) im Seminargespräch.

Das Schlesische ist eine der großen in Europa gesprochenen Nichtstandardvarietäten, die seit den 90ern zunehmend standardisiert wird und eine der wichtigsten deutsch-slawischen Kontaktvarietäten. Gleichzeitig ist Schlesien eine Schlüsselregion für die deutsch-polnische Geschichte. Im Seminar nun nehmen wir den Roman als Ausgangspunkt, um die soziolinguistische Situation, aber auch Grammatik, Lexik und typologische Besonderheiten des Schlesischen zu untersuchen.

Auch aus literaturwissenschaftlicher Perspektive ist der Roman überaus lohnend. “Drach” hält  seine Leserschaft in Atem. Das Geschehen wird vom mythischen Wesen des Drach dargeboten und kommentiert, das mit der Erde gleichzusetzen ist. Die erzählte Zeit reicht vom Mittelalter bis in die Gegenwart, und fulminante Wechsel zwischen Epochen erinnern an das Montageprinzip moderner Serien. Der Roman schildert nicht nur in immer wieder wechselnden Zeitsprüngen die Geschichte Schlesiens und seiner Bewohner, sondern wirft dabei auch grundlegende philosophische Fragen nach dem Dasein auf. Er wird in drei Sprachen erzählt, wobei im Original das Schlesische und das Deutsche nicht für polnische Leserinnen und Leser übersetzt werden.

Ausgehend von der gemeinsamen Untersuchung des Romans aus literatur- und aus sprachwissenschaftlicher Perspektive sollen nicht nur seine sprachlichen und ästhetischen Grundlagen in den Blick genommen werden, sondern weiterführend mit ihm verbundene sprach- und literaturwissenschaftliche Problemfelder erörtert werden.

Der Roman ‘Drach’ ist selbst in das Schlesische übersetzt worden (erster Leseeindruck in diesem Youtube-Video). Im Seminar werden wir mit allen drei Versionen arbeiten - dem polnischen Original (nachzuhören als Audiobook) sowie der beiden Übersetzungen in das Deutsche und Polnische. Die drei Versionen werden interaktiv in Form eines Parallelkorpuses verfügbar gemacht.

Vorläufige Planung
8.5.2020: Einführung
15.5.2020: Historische Einführung (mit Joachim von Puttkamer, Jena) und Mythopoetik des Romans
22.5.2020: Narrative Strukturen: Geschehen, Figuren, Raum und Zeit (Yvonne Drosihn, Halle)
29.5.2020: Einführung in das Schlesische als Sprache - Struktur und Soziolinguistik (Jan Patrick Zeller, Hamburg)
5.6.2020: Mehrsprachigkeit und Codeswitching in Drach - literarische Funktionen und linguistische Hintergründe
12.6.2020: Das Schlesische: Grammatik, Lexik, Phonetik/Phonologie (anhand eines Parallelkorpus sowie Sprachaufnahmen)
19.6.2020: Das ausgesetzte Individuum: Existentialismus, Nihilismus in Drach // Romantische und rationalistische Sprachmodelle
26.6.2020: Fragen der Übersetzung (mit Fokus auf mehrsprachige Texte)

Ab hier: Autor und Übersetzer virtuell im Seminar: Szczepan Twardoch, Grzegorz Kulik, Olaf Kühl
3.7.2020: Planung, Durchführung und Nachbereitung der Gespräche (Anna Artwińska, Leipzig)
10.7.2020: Planung, Durchführung und Nachbereitung der Gespräche
17.7.2020: Planung, Durchführung und Nachbereitung der Gespräche

Je nach Möglichkeit und Engagement der Studierenden möchten wir die Gespräche evtl. später als Filmbeitrag schneiden, wobei Konzeption und Mitarbeit eine mögliche Studienleistung darstellt.

Wann: Jeweils Freitags von 10:15 bis 11:45 Uhr, 11 Sitzungen vom 8. Mai bis zum 17. Juli

Wo: Materialien in Moodle, Sitzungen vorauss. über Zoom

Wer: Studierende im BA oder MA, vorzugsweise aus philologischen Fächern, Polnischkenntnisse sind Voraussetzung - schreiben Sie uns!

Leistungsnachweis und Anrechnung: Das Seminar wird mit einer Seminararbeit (BA oder MA) abzuschließen und ist mit 5 ECTS wahlweise als literatur- oder sprachwissenschaftliche Veranstaltung abzurechnen. Zusammen mit der Vorlesung "Polnische Literatur nach 1945" von Prof. Meyer-Fraatz kann das Seminar als ein Modul abgerechnet werden.

Die Anrechnung müssten Sie im Vorfeld mit den Studienverantwortlichen an Ihrer Heimatuni absprechen - wir unterstützen Sie gerne!

Kontakt: johann.wiede(at)uni-jena(dot)de

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Lektürekurs Kleinsprachen (Prof. Tilman Berger / Prof. Ruprecht von Waldenfels)

Was: Passend zum Schwerpunkt “Plurale Polonität” des ABZ Jena/Halle führt uns der Lektürekurs "Slavische Kleinsprachen Polens heute und gestern" zu Kaschuben, Slowinzen, Lemken, Masuren und Schlesiern. Gemeinsam mit Tilman Berger (Tübingen), Ruprecht von Waldenfels (Jena) und Studierenden aus dem ganzen deutschsprachigen Raum werden wir uns wöchentlich treffen und nicht-standardsprachliche Texte Polens lesen und analysieren. Ein solcher, sehr spezieller Kurs scheitert gewöhnlich an geringen Teilnehmerzahlen – wir bringen historisch und sprachwissenschaftlich interessierte Polenbegeisterte aus dem ganzen deutschsprachigen Raum online zusammen.

Vorläufige Planung
4.5.2020 Übersicht, Vorstellung, Kennenlernen (Berger/Waldenfels)
11.5.2020 Schlesisch I
18.5.2020 Schlesisch II
25.5.2020 Kaschubisch I
1.6.2020 Kaschubisch II
8.6.2020 Slowinzisch
15.6.2020 Masurisch I
22.6.2020 Masurisch II
29.6.2020 Lemkisch I
6.7.2020 Lemkisch II
13.7.2020 Goralisch

Wann: Jeweils wöchentlich 90 Minuten, 11 Sitzungen vom 4. Mai bis zum 13. Juli (jeden Montag, 16:15 Uhr (ausser 1.6.)

Wo: Online–Materialien in Moodle, Sitzungen vorauss. über Zoom; die jeweilige Lektüre legen wir je nach Interessen der Teilnehmer im Laufe des Semesters fest; https://pl.wikipedia.org/wiki/Kazimierz_Nitsch

Wer: Studierende im BA oder MA, Kenntnisse einer westslavischen Sprache Voraussetzung - schreiben Sie uns im Zweifel!

Wie abzurechnen? Das Seminar ist mit 3 ECTS als sprachwissenschaftliche oder sprachpraktische Übung konzipiert; bei Abfassung einer Seminararbeit sind auch 5 ECTS möglich. Die Anrechnung sprechen Sie am besten im Vorfeld mit den Studienverantwortlichen an Ihrer Heimatuni ab - wir unterstützen gerne!

Kontakt: johann.wiede(at)uni-jena(dot)de