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Virtuelle Filmreihe im Sommersemester 2020 II

Polnisches Online-Kino aus Halle: Przypadek / Der Zufall möglicherweise R: Krzysztof Kieślowski, PL 1987, 122 Min., OmeU, 17. Juni 2020, 18:00 Uhr

Die Jahre 1980/81 sind in der polnischen wie europäischen Geschichte ohne gleichen. Die Gewerkschaft Solidarność konnte durch Streiks der kommunistischen Regierung nicht nur ihre rechtliche Anerkennung, sondern auch Reformen abringen, die die Situation der Arbeiter verbessern sollten und die restriktive Innenpolitik lockerten. Dieser erste Versuch einer Reformierung ohne gewaltsame Eskalation schlug sich auch in der Filmlandschaft nieder, wo Regisseure wie Andrzej Wajda (Der Mann aus Eisen) politische Kommentare in ihrer eigenen Ästhetik lieferten. Eines der Werke dieser kurzen liberalen Phase ist Przypadek von Regisseur Krzysztof Kieślowski. Im Solidarność-Jahr 1981 produziert, wurde die Aufführung durch die Ausrufung des Kriegsrechts am 13. Dezember desselben Jahres untersagt und erst 1987 bewilligt, als die polnische Gesellschaft durch Kriegsrecht und Wirtschaftskrise längst der Euphorie jener Zeit beraubt in eine stille Depression gefallen war. Des Publikums beraubt, das der Film gebraucht hätte, entdeckten ihn Filmkritiker und Filmhistoriker, um ihn letztlich in Geschichtsbüchern festzuhalten. Es ist die Frage nach dem Individuum und dessen Selbstverwirklichung, die der Regisseur dem Publikum am Beispiel des Medizinstudenten Witek (Bogusław Linda) stellt, indem er ihn durch einen Zufall drei verschiedene Lebenswege gehen lässt und den fragenden Blick auf die Gesellschaft jener Jahre richtet.

Das Brückner-Zentrum lädt ein, mit eben jenem Blick in die Vergangenheit zu schauen und vielleicht die ein oder andere Erkenntnis für die Gegenwart zu gewinnen.

Link zur Einführung: https://www.youtube.com/watch?v=S8dWp1R9W6w

Link zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=uxu7Z3uOLWg

Der zweite Film der digitalen polnischen Filmreihe wird diesmal aus Halle kommentiert. Ken Kretschmer, Student des Masters Interdisziplinäre Polenstudien, führt in den Film ein und diskutiert anschließend mit Yvonne Kleinmann. Zur gemeinsamen Reflexion über den Film möchten wir Sie herzlich einladen! Ihre Fragen und Kommentare können Sie gern über unseren YouTube-Kanal in einem Live-Chat stellen.