Publikationen

Im Jahr 2015 hat das Aleksander-Brückner-Zentrum eine eigene Buchreihe mit dem Titel Polen: Kultur - Geschichte - Gesellschaft / Poland: Culture - History - Society ins Leben gerufen. Nach einer ca. einjährigen Sperrfrist sind Konferenzbände auf dieser Website im Open Access zugänglich, Monographien nach ca. zwei Jahren.


Buchreihe des Aleksander-Brückner-Zentrums im Wallstein Verlag

Polen: Kultur - Geschichte - Gesellschaft / Poland: Culture - History - Society

Über die Reihe:

Wie lässt sich heute die Erforschung des historischen und gegenwärtigen Polen konzipieren? -Wir bedienen uns eines Kunstgriffs und verstehen Polen, inspiriert von jüngeren Entwürfen der Regionalstudien (Area Studies), als eine Region, die sich je nach historischem, kulturellem oder politischem Zusammenhang immer wieder neu konstituiert oder in anderen Regionen aufgeht: So kann Polen mal Teil der mittelalterlichen westlichen Christenheit sein, mal für die frühneuzeitliche Staatenunion Polen-Litauen mit ihren vielen Völkern, Sprachen und religiösen Bekenntnissen stehen, mal zu expandierenden Imperien gehören, mal globale Diaspora sein oder gegenwärtig Mitglied der Europäischen Union.

Verknüpft mit den vielfältigen Optionen der Zugehörigkeit ist die Frage danach, wer wann und wo als polnisch wahrgenommen wird oder sich selbst als polnisch begreift. Es ist unser Anliegen, Polen jenseits nationaler Paradigmen im Plural zu denken - in ethnischer, religiöser, sprachlicher, sozialer und rechtlicher Hinsicht. Die Reihe nutzt unterschiedliche fachliche Zugänge, um zu erkunden, was im einzelnen Fall polnische Gesellschaft und Kultur(en) ausmachte bzw. ausmacht. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei politischen Umbrüchen, Grenzverschiebungen und Migrationen. Darüber hinaus sollen durch gezielte Perspektivenwechsel - orientiert an Kategorien wie Sprache, Klasse, Gender oder Religion - neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen reicht das Profil der Reihe - ohne jegliche revisionistische Intention - geographisch weit über das heutige Staatsterritorium Polens hinaus. Die einzelnen Beiträge gelten auch jenen Ländern und Völkern, die historisch und gegenwärtig eng mit Polen verbunden sind und eigene Forschungsperspektiven entwickelt haben. Aus diesem Zugang resultiert ein internationaler wissenschaftlicher Austausch, der in eine multiperspektivische Betrachtung Polens in seinen europäischen und internationalen Verflechtungen mündet.

Um einen hohen Standard zu gewährleisten, werden alle Texte vor der Veröffentlichung von externen GutachterInnen kommentiert und auf dieser Grundlage überarbeitet. Ein wissenschaftlicher Beirat ist im Aufbau begriffen.


Band 1

Aleksander Brückner revisited. Debatten um Polen und Polentum in Geschichte und Gegenwart, hrsg. von Yvonne Kleinmann und Achim Rabus

Über das Buch

Aleksander Brückner (1856-1939) war ein polyglotter Gelehrter aus dem habsburgischen Galizien, der disziplinäre Grenzen souverän ignorierte und ein vielfältiges Werk in Sprach- und Literaturwissenschaft, Kulturgeschichte und Ethnologie hinterließ. Sein wissenschaftliches Denken entfaltete sich in wechselnden sprachlichen und politischen Zusammenhängen in verschiedenen europäischen Bildungszentren, insbesondere in Lemberg, Wien, Leipzig und Berlin. Wie kann sein Leben in unterschiedlichen Wissenskulturen, imperialen und nationalen Zusammenhängen aus der Distanz betrachtet werden? Was ergibt eine Revision seiner Schriften? Und welche Anknüpfungsmöglichkeiten bieten sie für eine interdisziplinäre Erforschung Polens?

Die Autorinnen und Autoren setzen sich mit der facettenreichen Person Aleksander Brückner auseinander und greifen eines seiner zentralen Themen - die Reflexion über Polonität - auf, um aus historischen, linguistischen, literaturwissenschaftlichen und ethnologischen Perspektiven zu beleuchten, wie Polen und das Polnische in Geschichte und Gegenwart konzipiert wird.

Göttingen, Wallstein-Verlag, 2015, 235 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8353-1771-0 (2015), Preis: 34,90 €

Inhaltsverzeichnis

Download full text, open access

Lizenz:CC BY-NC-ND


Band 2

Dekonstruieren und doch erzählen. Polnische und andere Erzählungen, hrsg. von: Jürgen Heyde, Karsten Holste, Dietlind Hüchtker, Yvonne Kleinmann, Katrin Steffen

Wie kann Geschichte nach der Postmoderne erzählt werden?

Geschichte ist eine Konstruktion - Geschichte muss erzählt werden. Inzwischen gehören die Kritik an Meistererzählungen und die Auflösung allgemeinverbindlicher Deutungen zum wissenschaftlichen Standard; umso mehr drängt sich die Frage auf, wie Geschichte in Zukunft geschrieben und vermittelt werden kann. Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes halten am Dekonstruieren fest und stellen sich doch der Herausforderung, weiter zu erzählen. In Form kurzer Essays widmen sie sich den Möglichkeiten des historischen Darstellens, das sie anhand von ausgewählten Kontroversen und unterschiedlichen Miniaturen konkretisieren.
Die Essays befassen sich mit folgenden Fragen: Wie werden Räume, Zeiten und Epochen konstruiert, und mit welchen Mitteln können sie neu vermessen werden? Wie fließen Erinnerungen in Darstellungen ein und wie lassen sie sich historisieren? Auf welche Weise werden historische Ereignisse wahrgenommen, und wie wird Geschichte visualisiert? Welche Alternativen können zu bestehenden Geschichtserzählungen entwickelt werden? Wie werden die Praktiken der Wissenschaft und die Herstellung von historischem Wissen reflektiert?

Göttingen, Wallstein-Verlag, 2015, 359 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8353-1772-7 (2015), Preis: 36,90 €

Inhaltsverzeichnis

Download full text, open access

Lizenz:CC BY-NC-ND


Band 3

Imaginations and Configurations of Polish Society. From the Middle Ages through the Twentieth Century, hrsg. von: Yvonne Kleinmann, Jürgen Heyde, Dietlind Hüchtker, Dobrochna Kałwa, Joanna Nalewajko-Kulikov, Katrin Steffen, Tomasz Wiślicz

Über das Buch

Der Band erscheint in englischer Sprache.

Analysen zum wechselnden Verständnis von Gemeinschaft und Gesellschaft in tausend Jahren polnischer Geschichte.

Polen ist ein europäisches Gemeinwesen, das auf eine gut tausendjährige Geschichte zurückblickt, doch variierten Territorium, Herrschaftszusammenhänge und Bevölkerungsstruktur im Laufe der Jahrhunderte stark. Gesellschaftliche Entwicklungen und Differenzierungen lassen sich daher mit Kategorien nationaler Geschichtsschreibung nur unzureichend erfassen.
Die Autorinnen und Autoren rücken die staatliche Perspektive bewusst in den Hintergrund und richten den Blick auf wesentlich kleinere politische, soziale oder kulturelle Einheiten. Konzeptioneller Ausgangspunkt ist die Frage nach wechselnden Vorstellungen von Gemeinschaft und Gesellschaft: Nach welchen Kriterien wurde die Zugehörigkeit zur politischen und kulturellen Elite jeweils bestimmt? Welche alternativen oder konkurrierenden Vorstellungen von Gemeinschaft gab es? Wie wirkte sich Migration gesellschaftlich aus? Wie organisierten sich politisch marginale Gruppen? Welche Bedeutung hatten politische Systemwechsel auf der lokalen Ebene?

Studies in shifting ideas of community and society throughout a thousand years of Polish history.

As a European polity, Poland can look back on more than a thousand years of history. Over the centuries, however, its territory, contexts of political power, and demographic structure have varied greatly. The authors maintain that these societal developments and differentiations cannot be clearly discerned through a national or macro-political lens, and as such have kept the perspectives of nation and state in the background, focussing instead on considerably smaller political, social, or cultural units.
The conceptual impetus for this volume has generated questions about how people within Polish society imagined their world, and how such perceptions, images, and ideas of community and society have changed over time: Did shifts in political power have an impact on local communities? What were the criteria that determined membership in the political or cultural elite? What alternatives or competing ideas of community can be identified? How were ethnic boundaries defined? Were multiple loyalties part of political culture? In what ways did socially or politically marginalized groups organize themselves? How did war and migration influence social change?

Göttingen, Wallstein-Verlag, 2017, 384 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 14,0 x 22,2
ISBN: 978-3-8353-1904-2, Preis: € 36,90 (D) | € 38,00 (A)


Neuere Veröffentlichungen der MitarbeiterInnen und Mitglieder


Jörg Ganzenmüller, Raphael Utz (Hg.): Orte der Shoah in Polen: Gedenkstätten zwischen Mahnmal und Museum, Köln (Böhlau) 2016.

Joachim von Puttkamer, Dorothea Warneck (Hg.):Exhibiting Violence.
Przegląd Historyczny, T CVII, 2016, Z I.,
Warszawa 2016

Peter Hallama, Stephan Stach (Hg.): Gegengeschichte. Zweiter Weltkrieg und Holocaust im ostmitteleuropäischen Dissens. Leipzig (Leipziger Universitätsverlag) 2015.

Congruence Buch

Juliane Besters-Dilger, Cynthia Dermarkar, Stefan Pfänder, Achim Rabus (Hg.): Congruence in Contact-Induced Language. Change Language Families, Typological Resemblance, and Perceived Similarity. Berlin (De Gruyter) 2014.

Legacies of Violence

Jochen Böhler, Wlodzimierz Borodziej, Joachim von Puttkamer (Hg.): Legacies of Violence. East Europe's First World War. München (De Gruyter) 2014.

"Judenfrage"

Manfred Hettling, Guido Hausmann, Michael Müller (Hg.): Die 'Judenfrage' - ein europäisches Phänomen? Berlin (Metropol) 2013.


Ältere Publikationen der MitarbeiterInnen finden Sie im Archiv.