Interdisziplinäre Polenstudien - Aus der Sicht eines Studierenden in Halle

Cześć! Witam, nazywam się Oliver!/ Hallo, ich heiße Oliver!

Du überlegst, dich für den Master-Studiengang Interdisziplinäre Polenstudien zu bewerben und weißt noch nicht genau, ob dieser Studiengang das Richtige für dich ist? Genau vor dieser Frage stand ich vor einem Jahr auch. Ich erzähle dir hier meine Eindrücke vom Studium, vielleicht fällt dir die Entscheidung dann leichter.

Als ich mit dem Ende meines Bachelor-Studiums nach einem weiterführenden Master-Studiengang suchte, war ich offen für (fast) alle Formen von geschichtswissenschaftlichen Master-Studiengängen. Als einziges Kriterium galt, dass ich nicht weitere Lust auf einen eher allgemein gehaltenen, grundlagenorientierten Studiengang hatte. Vielmehr lockte mich die Spezialisierung auf einen besonderen Bereich der (europäischen) Geschichte. Denn im Bachelor-Studium der Geschichte hatte ich bereits einen Einblick in die Epochen der Antike, Mittelalter, Neuzeit und Zeitgeschichte erhalten - und von so manchen "Geschichten" hatte ich echt die Nase voll. Beim Durchstöbern der Studienangebote fielen mir die Osteuropa- bzw. Polen-Studien ins Auge. Die hervorgehobene Interdisziplinarität dieses Studiengangs ließ mich hoffen, meine Erkenntnisse aus meinem Bachelor-Nebenfach Sozialwissenschaften in den Master weiter einbringen zu können.

Polenstudien zu studieren, ist für mich auch eine Auseinandersetzung mit meiner eigenen Familiengeschichte. Während meiner Aufenthalte mit der Familie im polnischen Gdańsk (Danzig) lernte ich zuerst, dass die polnische Geschichte nicht in einigen wenigen einfachen Erzählungen zu umreißen ist. Vielmehr fiel es meinen Großeltern - ehemalige Einwohner Danzigs - mehr als schwer, ihre eigene Geschichte in Worte zu fassen. Und vielleicht war genau diese schwer zu beschreibende und von Vorbehalten geprägte Familiengeschichte ein maßgeblicher Punkt, der mich dazu gebracht hat, mich mit meinem Studienfach für eine fachliche Vertiefung meines Wissens über Polen zu entscheiden. Vielleicht waren es aber auch die besonderen Erlebnisse in Polen, die Kultur und Lebensumstände in Polen, die mir dieses Land und seine Leute so sympathisch gemacht haben. Während eines Schüleraustausches machte ich Erfahrung mit vielen Vorurteilen gegenüber Polen. Mehr als diese Vorurteile kennen viele Menschen in Deutschland oft nicht über Polen, eines unserer größten Nachbarländer, mit dem wir eine lange, eng verflochtene und auch spannungsreiche gemeinsame Geschichte haben.

Seit 2004 ist Polen Mitglied der EU und die anhaltende Globalisierung und Europäisierung ist gerade in den polnischen Großstädten an vielen Stellen sehr zu spüren. Dennoch erkenne ich bei genauerem Hinsehen viele kleine und auch größere Unterschiede zwischen meinem eigenen Alltag und dem Leben in Polen, und diese Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse sind für mich faszinierend, manchmal befremdlich und irritierend, oft schön und manchmal auch vertraut.

Entscheidend für die Wahl des Studienortes war für mich auch die Atmosphäre in der Stadt. Ich bin ganz einfach durch die Stadt gelaufen und habe mir die Uni angeschaut, sodass ich mich nicht nur vom Lehrplan des Studiums, sondern auch vom Umfeld überzeugen konnte.

Ich erlebe in Halle ein Studium, dass nicht auf deutsche Geschichte zentriert ist. Und das gefällt mir an diesem Studium ganz besonders gut. Die polnische Sprache zu erlernen, ist für mich seitdem nicht mehr nur Hobby und Wunsch, sondern wird im Rahmen des Studienplans in die Praxis umgesetzt. Das ist für Manche ein Leichtes - für Andere am Anfang ein großes Rätseln. Auch ich gehöre zu denen, die sich vom obligatorischen Auslandssemester während des Master-Studiums erhoffen, dass der Sprach-Knoten endlich vollends gelöst wird und ich mein Polnisch verbessern kann.

Was ich in meinem Bachelor-Studium vermisst habe, ist das Gefühl gut betreut zu werden und stets neue Eindrücke und Vorschläge vermittelt zu bekommen, die mich ermutigen, in meinem Interessengebiet weiter zu forschen. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich mir vor der Wahl des Master-Studiums nicht im Ansatz ausgemalt habe, wie viele Angebote für Studienaufenthalte, Stipendien, Tagungen, Forschungsprojekte und dergleichen mehr es in Bezug auf die Osteuropageschichte bzw. polnischen Geschichte gibt. Dass ich selbst gar nicht alle Möglichkeiten ausprobieren kann, ist klar. Dafür bin ich während des Semesters viel zu sehr an meinen Studienort gebunden. Aber im Rahmen von Praktika kann ich das ein oder andere während der Semesterferien kennenlernen und ich sehe schon jetzt, wie viele berufliche Möglichkeiten sich nach dem Studium ergeben könnten.

Nach dem ersten Studienjahr bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es sich lohnt, geschichtliche Themen aus der Sicht Polens zu betrachten. Die polnische Geschichte war und ist ein dienlicher Seismograph zur Erforschung gesamteuropäischer Ereignisse. Ich kann mich auf meinem speziellen Interessengebiet der Jugendkultur weiterbilden. So habe ich z.B. angefangen, mich mit der Geschichte der Punk-Szene in Polen zu beschäftigen. Von der Zukunft erhoffe ich mir, dass weitere StudentInnen zum Studiengang bzw. zu den dazugehörigen Lehrveranstaltungen dazukommen.

Dieser Studiengang gehört (noch) zu den Kleinen seiner Art hier an der Uni Halle. Das bringt vor allen Dingen in der Hinsicht Vorteile, dass ich mir den Lehrveranstaltungsplan relativ frei zusammenstellen kann und so vielleicht auch einmal Seminare besuche, die nicht auf den ersten Blick den Eindruck vermitteln, zum Studiengang zu gehören.

Ich hoffe, dass ich dir mit meinen Eindrücken die Entscheidung für ein Studium der Interdisziplinären Polenstudien erleichtern konnte und stehe dir für weitere Fragen gerne zur Verfügung.

Do widzenia, cześć!

Oliver!

 

Kontakt:
Oliver Wiebe
oliver.wiebe(at)posteo(dot)de

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