Cześć, jestem Arend! (Hallo, ich bin Arend!)

Wenn mir jemand bei der Anfertigung meiner Bachelorarbeit erzählt hätte, dass ich Masterstudent der Interdisziplinären Polenstudien sein würde, hätte ich sie oder ihn vermutlich für ziemlich verrückt gehalten. Zu gering war mein Bezug zu dem Land, zu geringe Anreize sah ich in der tieferen Beschäftigung mit ihm. Nun, knapp ein Jahr später, habe ich viele polnische Städte und Dörfer kennen und lieben gelernt, beginne, das historisch gewachsene Nationalbewusstsein der Polen zu verstehen, spreche mit meiner Freundin am Telefon polnisch und bereite mein Auslandssemester in genau diesem – mir nun viel näherem – Nachbarland vor.

Ausschlaggebend für diesen Wandel meiner Ansichten war einerseits ein sich änderndes fachliches Interesse. Als Bachelor-Absolvent der Politikwissenschaften in Potsdam, begann ich mich im Rahmen meiner Abschlussarbeit mit dem politischen System Russlands zu befassen. Dafür habe ich Grundlagen der Sprache gelenrt und ein Semester in Russlnd absolviert. Dort hatte ich das Glück, viel vom Land zu sehen und dabei die Menschen und ihre Kultur kennenzulernen. Zurück in Deutschland bemerkte ich, wie stark unser Verständnis der Welt immer noch westlichen Denkmustern unterliegt - im Alltag, aber auch in der Lehre. Ich kam zu der Einsicht, dass, wer Europa (und seine Krisen) verstehen will, dies nur multiperspektivisch tun kann. Nur wer sich in die (politische) Kultur anderer Länder und die historische Entwicklung dieser hineindenken kann, ist in der Lage, an einer positiven Zukunft unseres Kontinentes mitzuwirken.

Hinzu kam, dass ich noch in Deutschland meine jetzige Freundin kennenlernte, die ihrerseits ein Auslandssemester an meiner Universität absolvierte und aus Polen stammt. In dieser Zeit fuhr ich zusammen mit ihr zum ersten Mal in das mir völlig unbekannte Land und lernte ihre Familie und Freunde kennen. Das Eis war sofort gebrochen, als ich meine ersten Wörter und Sätze in der fremden Sprache auszusprechen versuchte (szczoteczka do zębów = Zahnbürste; Przepraszam! = Entschuldigung!) und mir dabei die Zunge verknotete. Doch nach ein bisschen Übung gelangen mir einfache Sätze, Dankesbekundungen oder Kommentare, die mein Sprachstand zu dieser Zeit eben zuließen. Verblüfft war ich über die durchweg positiven Reaktionen, die mich denken ließen, ich hätte allen in der Runde persönliche Komplimente gemacht. Auch diese guten Erfahrungen wirkten in die Entscheidung mit ein, mich für den 2-Fach-Master Politikwissenschaft und Interdisziplinäre Polenstudien an der MLU Halle zu bewerben.

Nachdem nun das erste Semester hinter mir liegt, kann ich einen ersten Vergleich meiner Erwartungen mit dem bisher Erlebten ziehen. Die Stadt Halle gefällt mir (überraschend) gut, ist man doch in meinem westdeutschen Freundeskreis davon überzeugt gewesen, dass es sich bei ihr größtenteils nur um aus DDR-Zeiten übrig gebliebene, sozialistische Bauruinen handle. Ein Nachmittag in Halle ließ jegliche Befürchtungen in diese Richtung verblassen. Die studentisch geprägte Stadt, die vielen Parkanlagen und die Nähe zu Leipzig sind als wichtige Standortvorteile zu nennen.

Das Studium gestaltet sich sehr angenehm. Die bisher absolvierten politikwissenschaftlichen Veranstaltungen erschienen mir interessant, allerdings werde ich den Großteil der verbliebenen wohl im Zuge meines Auslandssemesters absolvieren. Sehr gute Erfahrungen habe ich bei den Polenstudien gesammelt. Der obligatorische Sprachkurs (in den man auf jeglichen Niveaustufen einsteigen kann) war sehr lehrreich und die "Quälerei" durch die Verbkonjugationen trägt nun ihre Früchte. Hervorzuheben ist das sehr gelungene Einstiegsseminar ("Alles was man über Polen wissen sollte") dass aus einem Blockseminar in Posen und einer Vorlesung in Halle bestand und einen guten Start in den Studiengang sicherstellte. Weiterhin absolviere (oder absolvierte) ich interessante Veranstaltungen zu den Themen Kultur und Gesellschaft, Geschichte (Zensur im Ostblock) und moderner polnischer Literatur. Mit der Fächerkombination bin ich durchaus zufrieden und ich fühle mich in der Ansicht bestärkt, dass ein Mono-Master im Bereich Politik nicht dazu in der Lage wäre, mir solche Kulturkompetenzen zu bescheren.

Alles in allem ist innerhalb der Interdisziplinären Polenstudien besonders der enge und gute Umgang untereinander hervorzuheben. Die Kommunikation erfolgt aufgrund des großen Engagements der Dozierenden - und wohl auch aufgrund der kleinen Anzahl der Studierenden - sehr unkompliziert und schnell. Als Zeichen für das gute Verhältnis kann auch die von uns Studierenden ins Leben gerufene polnische Filmreihe gewertet werden, die momentan im halleschen Puschkino vorgeführt wird. Diese ist in Diskussion mit unseren Dozentinnen vor dem Hintergrund zusammengestellt worden, die aktuelle polnische Gesellschaft und ihre Probleme darzustellen zu wollen.

Die aktuelle politische Entwicklung in Polen sehe ich mit großer Sorge. Nach Jahren der Annäherung scheint sich der Trend in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen. Wie bereits angedeutet, ist mir klar geworden, dass man nur Brücken zwischen den betroffenen Ländern bauen kann, wenn man ihre Ziele und Handlungsabsichten kennt. Wichtig ist - nicht zuletzt - die Ängste, Sorgen und (Sicherheits-)Bedürfnisse der Nationen nachvollziehen zu können. Um diese Zusammenhänge verstehen zu können, ist es essentiell, sich ein fundiertes Hintergrundwissen der individuellen Geschichte und Kultur der Länder anzueignen. Meine Hoffnung ist daher, dass ich mit den im Studium erworbenen Kompetenzen in naher Zukunft an einer besseren Verständigung zwischen den Völkern und für mehr Toleranz in ihnen werben kann.

Mam nadzieję, że masz już teraz pierwsze wyobrażenie o studiach polonoznawczych i jeśli masz pytanie, możesz chętnie skontaktować się z mną! (Ich hoffe, dass du jetzt einen ersten Eindruck von den Polenstudien gewinnen konntest und wenn du Fragen hast, darfst du gern Kontakt mit mir aufnehmen!)

Serdeczne pozdrowienia, herzliche Grüße,

Arend Müller

arend.mueller(at)student.uni-halle(dot)de