Die zeitgenössische Literatur der Region Podlasie (20.–21. Jahrhundert) – Autoren, Sprachen und Themen

Gastvortrag von Prof. Dr. Katarzyna Sawicka-Mierzyńska (Białystok) am Freitag, dem 6. November 2026 um 17:30 Uhr im Großen Sitzungssaal, Haus auf der Mauer, Johannisplatz 26, 07743 Jena

Gegenstand dieses Vortrags ist die Literatur der ostpolnischen Region Podlasie (Podlachien), womit Texte von Autorinnen und Autoren verstanden werden, die durch ihren Geburts- oder Wohnort mit der Region verbunden sind (das Bild von Podlasie aus einer externen, allgemeinpolnischen Perspektive interessiert mich hier nicht). Vorgestellt werden Verfasser:innen verschiedener literarischer Gattungen – von der Lyrik über die Belletristik bis hin zur Reportage –, die Einfluss auf die Selbstdarstellung dieser Region, die Herausbildung lokaler Identitäten und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des lokalen Gedächtnisses haben (Ignacy Karpowicz, Sokrat Janowicz, Aneta Prymaka-Oniszk, Krzysztof Gedroyć, Mira Łuksza, Justyna Kulikowska). Aufgrund des multikulturellen Charakters von Podlasie vertreten sie verschiedene ethnische Gruppen und Sprachen, vor allem Polnisch und Weißrussisch. Von Bedeutung sind auch literarische Bezüge zum verlorenen jüdischen Erbe dieser Region. Unter den zahlreichen Themen, die von den regionalen Autor:innen behandelt werden, konzentriere ich mich auf die Migration vom Land nach Białystok (die regionale Hauptstadt), die damit verbundene Frage des sozialen Aufstiegs und der (Selbst-)Polonisierung sowie auf die Multikulturalität und die Wiedergewinnung der Erinnerung an unterdrückte Gruppen durch die Literatur. Podlasie erscheint hier als »vervielfältigte Heimat« (Mira Łuksza), deren komplexes, oft widersprüchliches Bild sich aus Erzählungen zusammensetzt, die aus zahlreichen Perspektiven geschrieben sind – Perspektiven, die nicht nur durch Geschlecht oder soziale Herkunft, sondern auch durch Nationalität, Sprache und Religion bestimmt sind.

Vortrag in polnischer Sprache mit konsekutiver Übersetzung.